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Mozart-Vereinzu Dresden · seit 1896
Porträt von Erich Schneider um 1972
Erich Schneider um 1972 (Foto: Geschenk von E. Schneider an E. Müller)

Erich Schneider wurde 1892 in Dresden-Rochwitz geboren und erhielt seine musikalische Ausbildung am Dresdner Konservatorium. Schon während seiner Studienzeit gründete er 1919 das Studentenorchester und den Studentenchor der Technischen Hochschule in Dresden, wofür er zum Hochschulkapellmeister ernannt wurde. Im gleichen Zeitraum war er zweiter Dirigent der Dresdner Singakademie sowie Dirigentenvolontär und Hospitant an der Dresdner Philharmonie. Ebenfalls im Jahre 1919 übernahm er die Leitung des ältesten Dresdner Männerchores „Liederhalle“. Von 1920 bis 1923 leitete er den Händel-Verein, und 1921 wurde er zum musikalischen Leiter des Mozart-Vereins gewählt. Zuvor hatte er schon Mozarts c-Moll-Messe mit dem Verein in der Luther-Kirche dirigiert. Während seiner Zeit als Kapellmeister am Albert-Theater (1923–32) dirigierte er unter anderem die Dresdner Erstaufführung der Dreigroschenoper von Brecht/Weill und verhalf ihr zu einem sensationellen Erfolg.

Ein erfülltes Lebenskapitel war Erich Schneiders Kantorenamt an der Frauenkirche zu Dresden. Auf Ersuchen des Kirchenvorstandes gründete er einen gemischten Chor, mit dem er regelmäßig große Oratorienaufführungen bestritt. Ein tragisches Ende fand diese Arbeit mit der Zerstörung Dresdens.

Im Februar 1945 wollten wir unser 20. Chorjubiläum mit Mozarts Großer Messe c-Moll begehen. Ich probte mit dem Chor am 13. Februar im Gemeindesaal das Qui tollis. Auf dem Heimweg sind neun meiner Chormitglieder ums Leben gekommen.

Doch schon am 6. Januar 1946 trat er seinen neuen Dienst in der unversehrten Martin-Luther-Kirche in Dresden-Neustadt an. Und wieder erklangen die großen Werke der musica sacra. Erich Schneiders Kraftreserven schienen unerschöpflich: 1952 nahm er die Lehrtätigkeit als Orchestererzieher und Lehrer für Kammermusik an der Musikhochschule auf, die er bis 1961 ausübte.

Als Erich Schneider 1964 in den Ruhestand trat, verabschiedete er sich mit Mozarts c-Moll-Messe, jenem Werk, mit dem er knapp 40 Jahre zuvor die Konzerte in der Frauenkirche eröffnet hatte. Für sein letztes Konzert mit dem Mozart-Orchester studierte er 85-jährig Beethovens Coriolan-Ouvertüre und einen Satz der 4. Sinfonie ein.

Erich Schneider war so etwas wie ein wandelndes Dresdner Musiklexikon. Lang und exklusiv ist die Reihe der Künstler, mit denen er musiziert hat, und wenn er ins Erzählen kam, wechselten Beobachtung und Anekdoten einander ab: wie er mit der Schwester Clara Schumanns von vergangenen Zeiten sprach, wie er mit 21 Jahren das zwölfjährige Wunderkind Jascha Heifetz begleitete, wie er dem jungen Yehudi Menuhin in Oberloschwitz das Radfahren beibrachte.

Am 24. Januar 1979 starb der verdienstvolle Musiker und allzeit liebenswerte, humorvolle Mensch. Er genoss echte Popularität, weil er ein großes Stück Dresdner Musikgeschichte miterlebt und mitgestaltet hatte.