Geschichte 2

Der Mozart-Verein in der Zeit von 1921 bis zum Ende des 2. Weltkrieges

Eine geschlossene Chronologie für diesen Zeitabschnitt existiert nicht. Man kann davon ausgehen, dass die gesamte Konzerttätigkeit des Vereins sorgfältig registriert wurde, um diese zu einem gegebenen Zeitpunkt diese, ähnlich wie zum 25. Jubiläum, im Rahmen einer Festschrift zu veröffentlichen. Entsprechende Unterlagen und Aktenmaterialien waren vermutlich im Vereinshaus auf der Moritzstraße gelagert und wurden beim Bombenangriff auf Dresden am 13. Februar 1945 vernichtet. Als Quelle für die Vereinsgeschichte dieser Zeit stehen hauptsächlich Zeitungsabschnitte von Kritiken und Würdigungen zur Verfügung, die von verschiedenen Vereinsmitgliedern gesammelt und aufbewahrt wurden. Dieses Material wurde auch im Zusammenhang mit einer Diplomarbeit der Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber” Dresden „Die Geschichte des Dresdner Mozartvereins” (Verfasser Angelika Ruß, März 1983) und der Festschrift „90 Jahre Mozartorchester des VEB Mikromat Dresden” (Verfasser Klaus Neumann, Januar 1986) ausgewertet.

Mit der Berufung von Kapellmeister Erich Schneider als Dirigent und künstlerischer Leiter des Mozartvereines als Nachfolger von Hofkapellmeister Geheimrat Hagen im Herbst 1921 begann ein besonders erfolgreicher Abschnitt der Vereinsgeschichte. So wurden in den folgenden Jahren wiederum regelmäßig Sinfoniekonzerte durchgeführt. Auch beteiligte sich das Orchester an Aufführungen des „Arbeitermännerchores Liederhalle”, an Konzerten für das „Volkswohl” und an ähnlichen Veranstaltungen. Da Kapellmeister Erich Schneider zugleich Kantor der Frauenkirche war, ergab sich für das Orchester ab 1926 eine regelmäßige Mitwirkung an größeren kirchenmusikalischen Veranstaltungen vorwiegend in der Frauenkirche. So wurde alljährlich die „Große Messe in c-Moll” von Mozart, aber auch Werke von Bach („Johannes-Passion”), Haydn („Schöpfung”), Bruckner („f-Moll Messe”), Reger („100. Psalm”) und anderen aufgeführt, meist mit namhaften Solisten (z.B. mit der Kammersängerin Liesel von Schuch).

Ein besonders Ereignis war am 03. Juli 1928 die Veranstaltung der ersten Zwingerserenade in Dresden nach Salzburger Vorbild. Die vom Mozartverein mit dem Staatsopernballett 1930 dargebotenen „Ballettserenaden” erwarben sich sogar internationale Anerkennung. Auf Beschluss der Stadtverwaltung wurden ab 1935 die Zwingerserenaden, die sich eines großen Zuspruchs erfreuten, dem Mozartverein untersagt und der Dresdner Philharmonie übertragen. Der Grund ist vermutlich in rein finanziellen Erwägungen zu suchen, denn die Philharmonie, die mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen hatte, wurde von der Stadt finanziert. Politische Gründe dürften es kaum gewesen sein, nachdem sich der Verein bereits im November 1933 im Rahmen eines Konzertes mit einer öffentlichen Hitlerehrung zum System des Nationalsozialismus bekannte.

Ein eindrucksvoller Beleg für das hohe künstlerische Niveau des Orchesters war der erste Preis als bestes deutsches Liebhaberorchester im Jahre 1937 für die Wiedergabe des 1. Satzes der 1. Sinfonie von Johannes Brahms beim „1. Musikfest für instrumentale Laienmusik”, das von der „Reichsmusikkammer” in Karlsruhe veranstaltet wurde.

Hinweise, wie sich die Kriegsjahre ab 1939 auf das Vereinsleben auswirkten, gibt es nicht. Man kann aber davon ausgehen, dass dieses durch Einberufungen zum Wehrdienst, Judenverfolgung, Fliegeralarm und anderes ganz wesentlich beeinträchtigt war. Das letzte Konzert des Vereins vor der Zerstörung Dresdens fand zusammen mit dem Chor der Frauenkirche als Weihnachtsliederabend am 17. Dezember 1944 in der Frauenkirche statt.